Worum es derzeit geht
Im Konflikt mit Iran konzentriert sich die Lage derzeit auf eine zentrale Frage: die US-Blockade auf dem Seeweg. Teheran verlangt deren Aufhebung als Voraussetzung für weitere Schritte und für eine Fortsetzung des Dialogs. US-Präsident Donald Trump lehnt das demnach ab und verlangt zuerst eine Einigung über die Parameter einer möglichen Vereinbarung, einschliesslich der iranischen Atompolitik.
Aus dieser Blockade ergeben sich derzeit drei Szenarien. Sie reichen von einer begrenzten Deeskalation über eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Drucks bis hin zu einer erneuten militärischen Eskalation.
Szenario eins: begrenzte Zugeständnisse und neue Gespräche
Ein erster Weg wäre, dass Washington die Blockade zumindest teilweise lockert und Iran im Gegenzug Schritte unternimmt, etwa zur Öffnung der Strasse von Hormus. In diesem Fall könnten Gespräche weitergehen, allerdings ohne Erfolgsgarantie.
Aus dieser Sicht würde Teheran politisch gestärkt aus der Konfrontation hervorgehen: Die Führung in der Hauptstadt bliebe im Amt, die Kontrolle über die Ölförderung im Land wäre erhalten, und der Export könnte wieder anlaufen. Zugleich würde in der Region sichtbar, welchen strategischen Hebel Iran mit der Strasse von Hormus besitzt. In dieser Lesart könnte Teheran zudem sein Atomprogramm weiter vorantreiben, während für Washington ein neuer grosser militärischer Schritt mit Blick auf die Zwischenwahlen zum Kongress politisch schwieriger würde.
Szenario zwei: Blockade ohne neue Kampfhandlungen
Ein zweites Szenario ist die Fortsetzung der Blockade ohne unmittelbare Wiederaufnahme grösserer Kampfhandlungen. Nach Berichten aus US-Medien vertreten Teile von Trumps Umfeld die Auffassung, dass Iran innerhalb von ein bis zwei Monaten bei anhaltendem Exportdruck wirtschaftlich stärker unter Druck geraten könnte. Die Annahme dahinter: Wenn Lagerreserven erschöpft sind und der Ölexport ausfällt, steigt der Druck auf den iranischen Staatshaushalt und damit die Bereitschaft zu Zugeständnissen.
Allerdings bleiben dabei mehrere Punkte offen. Erstens gibt es widersprüchliche Angaben dazu, wie dicht die amerikanische Blockade tatsächlich ist. Immer wieder gibt es Hinweise, dass ein Teil iranischer Tanker weiterhin Öl ausführen könnte. Zweitens könnte China Iran finanziell stützen, falls der Budgetdruck wächst. Drittens ist unklar, ob Teheran unter maximalem Druck tatsächlich nachgeben würde. Ebenso denkbar wäre eine militärische Reaktion gegen US-Schiffe in der Nähe der iranischen Küste, was zu erheblichen Schäden und Opfern führen könnte.
Szenario drei: Rückkehr zu militärischen Schlägen
Ein drittes Szenario ist die Wiederaufnahme militärischer Angriffe. Medienberichten zufolge befürworten Teile von Trumps Umfeld diesen Weg als Druckmittel gegen Teheran. Hinzu kommt, dass die USA während der Waffenruhe bedeutende Kräfte in den Nahen Osten verlegt haben sollen. Auch Israel hat aus dieser Sicht ein Interesse daran, dass eine militärische Option nicht dauerhaft vom Tisch ist.
Gegen dieses Szenario sprechen jedoch dieselben Probleme, die bereits zuvor zu einem Stopp der Kampfhandlungen beigetragen haben sollen: Luftschläge allein dürften kaum ausreichen, um Iran entscheidend zu schwächen. Eine Bodenoperation wäre mit sehr hohen Risiken und grossen praktischen Schwierigkeiten verbunden. Dazu kommen Fragen zu Waffenbeständen, Kosten und politischer Tragfähigkeit. Trotzdem bleibt eine militärische Eskalation angesichts der strategischen Bedeutung des Konflikts für Washington ein mögliches Szenario.



